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Eine Zlin 526 AFS geht auf Reisen RC AERONAUTIC PAGEANT 1999 oder Wir und die Kiste!
Schon als wir im Januar 1999 aus Japan die Einladung erhielten, mit unserer 1/3-Scale-Zlin 526 AFS im November an der Flugschau Aeronautic-Pageant in Tokyo teilzunehmen, stand für uns gleich fest, das wir die lange Reise und die damit verbundenen Risiken f ür Modell und Mannschaft wagen würden. Da wir bis dahin noch eine Reihe von Flugtagen und Meisterschaften in Deutschland zu absolvieren hatten, uns aber nur ein Modell zur Verfügung stand, bauten wir speziell für die Veranstaltung in Tokyo eine zweite Masc hine auf. Aber, der "RC-Gott" hatte ein Einsehen und brachte beide Modelle ohne Blessuren über die Saison. So planten wir, die Reise nach Japan letztendlich sogar mit zwei Modellen anzutreten. Doch es kam, wie es kommen mußte!
Am 03.11.1999 (Tag der Kultur, Nationalfeiertag in Japan) war der Termin der Veranstaltung . Der Einladung unseres Gastgebers Mr. Kazunori Kawanishi von Kyokuto-RC zu entsprechen, buchten wir bereits im August für die Zeit vom 29.10 bis 08.11.99 zwei Flugtickets. Als wir bei der Fluggesellschaft mal vorsichtig unser Anliegen mit dem Transport der zwei Kisten, die immerhin die Maße 230 x 70 x 70 cm und ein Gewicht von jeweils 40 kg hatten, vorbrachten, wankte unser Vorhaben zum ersten Mal. Grund war der unerwartet hohe Beförderungspreis von 160,-- DM pro Kilo! Dies bedeutete, daß jede Kiste unser R eisebudget mit etwa 6.400,- - DM belastet hätte! Und zu den 12.800,-- kam ja dann auch noch der Preis für die zwei Flugtickets für Steffen Zaun und mich. Also, alles in allem eine für uns nicht akzeptable Summe, und dazu auch noch die Kosten für das Kisten material! Was aber machen? Absagen, Bank ausrauben oder was?
Besser war natürlich Verhandeln mit der Fluggesellschaft! Dies brachte uns auch schnell ein ganzes Stück weiter. Erkenntnis: ein offizielles Schreiben des DMFV und eine Einladung von Japan könnten die Kosten drastisch senken! Hier hieß das Zauberwort: Spo rtgepäck! Sofort rief ich beim DMFV an und brachte mein Anliegen vor. Und siehe da, der DMFV hat uns schnell und vor allem völlig unbürokratisch geholfen. Nach ca. 1 Stunde spuckte mein Fax das Schreiben des Modellflieger-Verbandes aus. Dafür möchte ich a n dieser Stelle meinen Dank an den DMFV und in Person an Winfried Ohlgard aussprechen.
Zusammen mit der Einladung aus Japan sanken die Kosten pro Kiste auf nunmehr erträgliche 600,--DM! Da wir jetzt meinten, alle Hürden genommen zu haben, sägten und zimmerten wir vergnügt und absolut gelassen an unseren Transportkisten. Bis... ja bis dann 48 Stunden vor Abflug das Telefon klingelte und uns ein Herr der Fluggesellschaft mitteilte, es täte Ihm sehr leid, aber die Kisten passten nicht mehr in die Maschine nach Osaka................! Für uns brach eine Welt zusammen! Wie sollten wir nun, so kur z vor dem Abflug, noch eine akzeptable Lösung finden?
Also, noch mal ans Telefon und mit der Fluggesellschaft "Tacheles" reden! Das Telefonat brachte allerdings schnell Licht ins Dunkel. Es sei zwar kein Platz für Sportgepäck mehr in der Maschine, aber für "ein Paar Mark mehr" (2.400,-- DM pro Kiste) würde ma n die Kisten im gleichem Flugzeug als Cargo-Fracht mitnehmen können. Was soll´s! Mit gefangen heißt mit gehangen, oder wer A sagt muß auch B sagen. Um das ganze Unternehmen nicht platzen zu lassen, willigten wir ein, beschränkten unser "Cargo-Sportgepäck" der Kosten wegen aber auf nunmehr eine Kiste mit Modell und Zubehör. Es durfte jedoch nichts passieren, weder während des Transport, noch beim Fliegen. Sonst hätten wir in Tokyo ziemlich dumm dagestanden!
Nachdem wir uns für die teure Transportvariante entschieden hatten, verblieben nur noch 18 Stunden Zeit, die vorgeschriebenen Zollformalitäten abzuwickeln, ohne die kein Cargo-Transport das Land verläßt. Aber, mit Hilfe netter Fracht-Menschen war auch dies e Aufgabe bald geleistet und die Reise mit Männer und Modell konnte endlich starten. Die Reise führte uns zuerst von Frankfurt nach Osaka, wo uns unser Gastgeber nach ca. 12 Stunden Flug in Empfang nahm. Normalerweise hätte man nun denken können, daß, nach allem was wir im Vorfeld erlebt hatten, doch noch das eine oder andere Problem mit d er Kiste auftreten würde. Aber nein, weit gefehlt! Regelrecht liebevoll wurde uns von unserem Gastgeber geholfen, das vollkommen unbeschadete (!) Transportbehältnis in Empfang zu nehmen und auf seinen kleinen Lieferwagen zu laden. Mit diesem fuhren wir nac h Kobe, das ca 80 km von Osaka entfernt liegt. Herr Kawanishi hat dort ein Haus, in dem sich auch sein kleiner Modellbauladen befindet. Für die Zeit unseres Kobe-Aufenthaltes durften wir Gast in seinem Hause sein. Die Gastfreundschaft im Hause Kawanishi wa r nahezu unbeschreiblich. Alles war perfekt für unseren Aufenthalt vorbereitet!
Noch am Tage unserer Ankunft schraubten wir vor dem Haus der Kawanishis, getrieben von Neugier, unsere Transportkiste auf. Tja, was waren wir da erleichtert, als wir feststellten, daß nicht nur die Bretterkonstruktion, sondern vor allem unsere Voll-GFK-Zlin die Reise gut überstanden hatte. Und groß war auch die Freude, als wir sahen, daß wir auch Daheim in Deutschland an alles gedacht hatten, was wir hier im fernen Japan zum Modellbetrieb brauchten (Kompressor für das Einziehfahrwerk, 0,5Ltr Öl für das Gem isch, ein Ladegerät, Fernsteuerung, Werkzeug usw.). So stand der Flugtagteilnahme in Tokyo nichts mehr im Wege. Beruhigt bezogen wir das für uns vorbereitete Zimmer und legten uns völlig erschöpft aber zufrieden auf das für uns zurechtgemachte Nachtlager ( wie in Japan üblich, zu ebener Erde!). Ja, liebe Freunde, ausgeschlafen mußten wir im quirligen Japan stets sein! Da wir weder Japanisch sprechen noch verstehen und uns unser Englisch meistens auch nur wenig half, war ab sofort jeder Tag eine neue Überrasc hung, ausgefüllt mit tollen Attraktionen, vom Hafenbesuch bis hin zum Gemeinschaftsbad. So wurden wir von unserem Gastgeber verwöhnt!
Etwa zehn Modellflieger, die von unserem Kommen erfahren hatten, warteten bereits auf uns. Gespannt wurde alles begutachtet........und vor allem fotografiert! Der Testflug, der erste Flug unserer Aeroflug-Zlin auf japanischem Boden, verlief ohne Probleme, nur leider bei etwas trüben Wetter. Nachdem wir alles wieder im Auto verstaut hatten, fuhre n wir endlich in die Nähe des eigentlichen Veranstaltungsortes und bezogen dort unser Hotel. Die Nacht durch regnete es unaufhörlich, und wir hatten schon Angst, die Flugschau könnte ins berühmte Wasser fallen. Am Morgen so gegen 6 Uhr, der Telefon-Weckdie nst klingelte, hatte es gerade aufgehört zu regnen. Voller Tatendrang ging es dann um 7 Uhr endlich zum Flugplatz, dem eigentlichen Ziel unserer Reise. Versprochen wurde uns zuvor eine Super-Flugschau mit ca. 50.000 Zuschauern. Am Flugplatz angekommen trau ten wir unseren Augen nicht. Es war gerade ¼ nach 7. Doch hier war schon ein buntes Treiben! Zirka 60 Modellbauhändler bauten gerade ihre Stände auf und mindestens nochmal so viele Verkaufsstände mit allerlei Köstlichkeiten ließen erahnen, was uns erwartet e. Und in all dem Gewimmel hatten sich bereits zigtausend Zuschauer eingefunden (man bedenke, es war morgens so gegen 7.15 Uhr !).
Wir bauten unser Modell mitten im Trubel auf und wurden dabei sofort von einer Schar Interessierter umringt. Ein Modellfliegerfreund von Mr. Kawanishi, Mr. Araki, der mit guten Englischkenntnissen aufwarten konnte, wurde uns zur Seite gestellt und half, uns am Flugfeld und in der Veranstaltungsorganisation zurechtzufinden. Bei der Anmeldung am Senderzelt waren wir sichtlich überrascht. Außer der Startnummer bekam jeder Teilnehmer auch noch eine bestickte, wetterfeste Jacke und eine Schirmmütze.
Jedes Jahr, parallel zu dieser Veranstaltung, führt die IAM (INTERNATIONAL AIRMEET) einen F3A oder F3C-Modellflug-Wettkampf auf gleichem Fluggelände durch. In diesem Jahr war die Klasse F3C (Hubschrauber) an der Reihe, bei dem sich die weltbesten Piloten i m fairen "Kampf" maßen. Es waren alledings nur zehn Teilnehmer am Start (aus Deutschland Rüdiger Feil), so daß für den Schauflug genügend Zeit blieb. Allerdings kann ich nicht sagen, was nun die eigentliche Hauptattraktion war. War es der jahrmarktartige R ummel, der Hubschrauberwettbewerb, oder war es der Schauflug? Dem Beifall und dem Interesse der Zuschauer nach, waren es wohl mehr die Schauflugdarbietungen, die im Mittelpunkt der Veranstaltung standen. Nach dem wir unser Modell zum Abstellraum an der Pis te gebracht hatten nutzten wir die Zeit um uns umzusehen und einige Fotos zu machen.
Schätzungsweise hatten sich mittlerweile 40.000 Zuschauer eingefunden und spendeten den Vorführungen ausgiebig Beifall. Das Feld der Schaupiloten umfaßte ca. 50 Modellflieger aus verschiedenen Ländern. Am Start standen Modelle, die wir von Flugtagen in Deu tschland zur Genüge kennen. Von Fluggeräten des Typ´s Extra, über F-86-Jets, bis hin zu Airlinern war alles vertreten. Dabei war die Qualität der Modelle als gut bis sehr gut zu bewerten.
Überraschend für uns war, daß fast ausnahmslos mit "Handsendern" geflogen wurde. Den einzigen "Bauchsender" am Platz hatten wir im Einsatz. Streng nach Zeitplan begann ab Mittag der Showteil. Dabei standen jedem Teilnehmer ca. 5 Minuten Flugzeit zur Verfüg ung. Dies war ebenfalls so, wie wir es mittlerweile von Deutschland auch kennen. Atemberaubende 5 Minuten dauerte die Vorführung von Stephane Carrier aus Frankreich mit seiner Extra 300S. Wir dachten, im Modellflug schon alles zu kennen. Doch seine Vorführ ung übertraf alles bisher Gesehene. Dieser Junge hat wohl bei den Physikstunden in der Schule gefehlt, und weiß daher gar nicht, daß ein Flugzeug eigentlich so nicht fliegen kann! Er setze der Torque - Rolle noch eins drauf, in dem er bewußt mit dem Seiten ruder leicht den Boden berührte. Eine phantastische Leistung!
Jedes Modell und jede Darbietung wurde vom Sprecher kommentiert und mit 40tausendfachem Beifall durch das Publikum belohnt. Und auch wir konnten unseren Flug dann so gegen 14 Uhr erfolgreich absolvieren. Dabei kam die Zlin 526 AFS mit ihrer hervorragend de taillierten Oberfläche und dem originalgetreuen Flugstil beim Publikum und Fachleuten gleichermaßen gut an. Überhaupt wirkte das Interesse der japanischen Zuschauer am Modellflug auf uns einzigartig. Ja, und die Lockerheit mit der die Veranstaltung ablief , hätten wir den Japanern gar nicht zugetraut, sind sie doch bei uns als sehr arbeitsam, diszipliniert und zielstrebig bekannt. Die sehr gute Organisation allerdings hatten wir erwartet, kommt doch die "Lehre der Organisation" (Kaizen genannt) aus diesem I nselstaat. Nicht ein einziges Mal ist während der Flugschau Hektik aufgekommen. Viele Fragen allerdings, die wir aufgrund der Sprachprobleme nicht ansprechen konnten, bleiben offen. So hätte uns mal interessiert, wie z.B. die Senderkontrolle gehandhabt wur de. Es gab nämlich keine Sendermarken! Auch waren keine Sicherheitsnetze aufgespannt, was für uns in Deutschland ja schon zur reinen Routine gehört..
Natürlich waren Presse, Funk und Fernsehen ebenfalls zahlreich vertreten. Und wenn man sich die japanischen Modellhefte einmal ansieht, dann weiß man, welches wirtschaftliche Potential in diesem Hobby steckt. 500 Seiten Heftumfang, davon alleine die Hälfte mit Werbung, da geht der Punk ab! Am Ende der Veranstaltung , so gegen 16 Uhr, wurde dann genauso schnell abgebaut, wie in der Früh alles aufgebaut wurde. Es gäbe eigentlich noch so viel zu berichten, aber das würde den Umfang meines kleinen Reiseberichts sprengen. Ehe wir uns versahen, saßen wir wieder im Auto und fuhren die 700 km zurück nach Kobe.
In Kobe und Umgebung haben wir dann noch 3 wunderschöne Tage verlebt und ein klein wenig Land und Leute kennengelernt. Mit viel guten Erinnerungen, auch mit ein wenig Übung im Umgang mit den Stäbchen beim Essen, sind wir gesund und munter in Frankfurt am Main gelandet. Ach so! Bald hätte ich vergessen zu erwähnen, daß die MFI auch in Japan mit großem Interesse gelesen bzw. durchgeblättert und angesehen wird. Das Aero Top-Video Nr. 1 gibt es mittlerweile auch dort....aber dies jetzt sogar in japanischer Spr ache und Aufmachung!
Vielen Dank an dieser Stelle noch einmal an unsere Gastgeber, Familie Kazunori Kawanishi, und alle anderen, die uns den Aufenthalt in Japan so angenehm gemacht haben.
Thomas Schmidt
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